Das war das DOKU

Das Doku beendete mit Ende des Jahres 2013 seine Vereins­tätigkeit. Das Doku als Bibliothek und als feministischen Denk-, Handlungs- und Spielraum weiter zu betreiben, war aus finanzieller Sicht nicht machbar. Das Archiv wurde bereits 2012 an STICHWORT übergeben; die feministische Bibliothek ging mit Ende 2013 an das Frauenservice Graz.

Wir hatten viele Jahre lang versucht, die de facto unzureichende Basisfinanzierung durch Projekte auszugleichen – mit dem Ergebnis, dass weder die Projekte, noch die Archiv- und Bibliotheksarbeit tatsächlich ausfinanziert waren. Wir haben beschlossen, die Leerstelle zuzulassen, die entsteht, wenn wir damit aufhören, den Widerspruch zwischen den inhaltlichen Ansprüchen und den weniger werdenden Geldern fortwährend auf unsere eigenen Kosten zu kompensieren. Es war ein langsamer Prozess, über die Jahre hinweg; es ist eine schwierige Entscheidung, wo letztendlich die Grenze gezogen wird.

In unserem Fall war eine wichtige Überlegung die, dass die Bibliothek mit dem Konzept des feministischen Denk-, Handlungs- und Spielraumes die letzten zwei Jahre so aufgebaut wurde, dass damit der Schritt an eine breitere Öffentlichkeit erfolgen hätte können – wenn dafür die finanziellen Mittel da gewesen wären. Dabei reden wir von keiner großen Kampagne, sondern von ein paar tausend Euro für Flyer, Folder, Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit. Und trotzdem macht genau das den Unterschied – wenn diese Ressourcen nicht vorhanden sind, dann kann selbst das beste Konzept nur sehr begrenzt umgesetzt werden.

Wir hoffen, dass das Frauenservice in dieser Hinsicht bessere Rahmenbedingungen haben wird. Das Frauenservice wird die Mittel, die geblieben sind, genau dafür einsetzen können – das ist deshalb möglich, weil nun die Raumkosten und die Administration zu einem großen Teil aus dem Organisations-Overhead abgedeckt werden können. Es ist ein Erfolg, dass es ein politisches Bekenntnis von Seiten der bisherigen Doku-Fördergeberinnen gibt, diesen Weg zu unterstützen.

Was aber allen Beteiligten klar ist: es wird nicht mehr „das Doku“ sein. Das Doku hat im Laufe der Zeit so viele Veränderungen erfahren, was die beteiligten Personen und die Ausrichtung der Projekte betrifft, dass „das Doku“ in unterschiedlichen Zeitphasen von 1989 bis heute auch sehr Unterschiedliches bedeutet. Die beiden Konstanten in diesem Vierteljahrhundert waren aber das Archiv und die Bibliothek. Mit dem Archiv war der Anspruch verbunden, die Geschichte der Grazer Frauenbewegung zu bewahren und sichtbar zu machen. Mit der Bibliothek verbunden sind all die feministischen Ideen und Visionen für eine gerechtere Gesellschaft, die hier verschriftlicht und in Buchform ihren Platz gefunden haben. Ein solcher Denkraum kann die Welt verändern: viele Frauen sehen die Welt mit anderen Augen, nachdem sie mit Feminismus in Berührung gekommen sind. Ein vielleicht vages Unwohlsein wird zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit Gesellschafts­verhältnissen; zu einem Benennen, zu einer kritischen Haltung – und führt so oftmals auch zu einem konkreten sozialpolitischen Engagement. Diese Ideenräume sind stark und kraftvoll. Gerade, weil es so starke Ideenräume sind, konnten sie die Schließung des Vereins überdauern und können nun in einem anderen Kontext weiterentwickelt werden.

Es ist ein wenig paradox, aber dieses letzte Jahr war insofern auch ein gelungenes – weil es gelungen ist, Zeichen für die Zukunft zu setzen. An dieser Stelle ein inniges Dankeschön an die vielen, vielen Wegbegleiterinnen des Doku Graz, über die Jahrzehnte hinweg – es war nicht umsonst!